MTB-Touren und E-Bike-Routen im Wallis

MTB-Touren

In Wallis Veritas

Wie schmeckt das gute Leben? Eine leise Ahnung bekomme ich bei einer fünftägigen E-Bike-Genusstour im Schweizer Kanton Wallis. Zu zweit entdecken wir die schönsten Ecken von Crans-Montana, Sierre und dem Val d’Anniviers und tauchen ein in die Kultur der französischen Schweiz inklusive Raclette-Abend und Weinverkostung. Savoir-vivre auf zwei Rädern <3

Von Judith Beck

Was Dich in diesem Artikel erwartet

Heilend. Das wäre die wohl knappste Beschreibung unserer E-Bike-Woche im Wallis. Okay, meine Wortwahl wäre identisch gewesen für die Entgiftung, die ich vergangenes Jahr gemacht habe. Mit ayurvedischer Fastenküche, Yogaeinheiten und Magen-Darm-Tiefenreinigung. Auch das war heilend. Dieses Jahr sieht meine Heil-Kur eben anders aus und zeigt, dass auch übermäßiger Genuss nicht per se negativ sein muss. Ich erzähle Dir einfach mal ein bisschen von unseren Erlebnissen. Und am Ende entscheidest Du, ob die Genuss-Tour im Wallis vielleicht zu Deiner persönlichen Genuss-Kur wird.

Zwischen Rhonetal und 4000ern

Weinberge. Links und rechts und überall. Das ist das Erste, was mir auffällt, als Jesús und ich im Rhonetal ankommen. Bislang kenne ich die Gegend nur im Winter und bin überrascht, die Landschaft so verwandelt zu erleben. Am Bahnhof in Siders (französisch Sierre) folgen wir der roten Linie am Boden, die zum Funiculaire führt. Die 4 km lange Standseilbahn bringt uns zum Hochplateau von Crans-Montana. Uns erwartet mediterranes Klima auf 1495 Metern. 300 Sonnentage und die reinste Luftqualität der Schweiz machten Montana schon Ende des 19. Jahrhunderts zum beliebten Kurort. Von Genuss-Kur war damals wohl noch nicht die Rede. Sicher aber genossen die Gäste in den Sanatorien die Viertausender-Gipfelparade am Bergkamm gegenüber. Der Blick reicht vom Bietschhorn über Dom, Weisshorn und Matterhorn bis zum Mont Blanc. Das Panorama reizte auch die Hautevolee, die in den Siebzigerjahren die neu entstandene Feriensiedlung Crans-sur-Sierre für sich entdeckte. Heute sind die Orte verschmolzen zur Gemeinde Crans-Montana. Direkt darüber befindet sich der Plaine Morte, der größte Plateaugletscher der Alpen.

Das Wichtigste auf einen Blick

ANREISE

Klappt erstaunlich gut mit der Bahn: über Zürich und Visp bis Sierre, weiter mit dem Funiculaire nach Montana.

UNTERKUNFT

In zertifizierten Swiss Bike Hotels findet ihr alles, was das Radlerherz begehrt, in verschiedenen Kategorien.

LEIHRÄDER

Bei Best Wear gibt es super E-Bikes, mit denen wir problemlos Steigungen, Trails und Downhills fahren konnten.

Bike-Tour zu den Seen um Crans-Montana

Bereit für die erste Spazierfahrt. Von Crans-Montana geht es mit richtig guten Leih-E-Bikes von Best Wear zu den umliegenden Seen. Zum Einfahren sind die 9 km und 162 m Höhenunterschied gerade recht. Vom Ycoor-See in der Nähe unseres Startpunkts gelangen wir über Waldwege hinunter zum Briesses-See. Eine gemütliche Pause, dann geht es über den Moubra-See und den Grenon-See zurück zum Ausgangspunkt. Die genaue Routenführung findest Du auch online inklusive GPS-Daten.

Hüttenübernachtung mit Klasse

Zurück in Crans-Montana, ist die Radtour für uns noch nicht ganz erledigt. Es geht hoch in den Weiler Colombire. Wer Zeit hat, besucht das hiesige Ökomuseum, welches das Bergleben von 1930 in die Gegenwart holt. Eigentlich haben wir mit einer normalen Hüttenübernachtung gerechnet. Aber im dortigen Maiensäss ist alles vom Feinsten – die Fusion von Hüttenfeeling und Wohlfühl-Ferienhäuschen. Für den großen Hunger steht ein Gourmet-Korb bereit, Kostenpunkt 35 Franken pro Person. Das Drei-Gänge-Menü besteht aus Salat, frischer Pasta, Pflaumen-Tarte und einer Flasche Wein. Pappsatt sitzen wir später vor der Hütte und schauen hinüber zum Weisshorn, als hinge dort eine Kinoleinwand. Der heutige Film könnte „Pyramidal“ heißen. Denn das Weisshorn – der Diamant des Wallis – hat die Form einer fast perfekten Pyramide. Und ebenso pyramidal türmen sich die Gewitterwolken drum herum auf, doch zu uns zieht die Wetterfront nicht herüber. Stattdessen wird es so still, wie es nur abgeschieden in den Bergen werden kann. Himmlische Ruhe und eine Nacht, in der ich so gut schlafe, wie schon lange nicht mehr.

Feiner Brunch und wilde Trails

Das Frühstück wird uns oben im Restaurant serviert. Das Gebäude gehört zu den Hütten, steht aber etwas separat. Zum Alpenblick gibt’s fantastischen Cappuccino, frisches Brot und alles, was zu meinem persönlichen Lieblings-Brunch gehört. Um 9 Uhr ruft uns der Trail, es geht hinauf Richtung Vallée de la Tièche. Trotz des Wintertraums mit 140 Pistenkilometern wurde das Sommermärchen in Crans-Montana nicht mutwillig zerstört. Erstaunlich intakt präsentiert sich die Natur, in die wir heute eintauchen. Unzählige Wege führen die Berghänge hoch, hinüber, hinunter und drum herum. Uns begegnen während des Tages insgesamt sechs Wanderer. Ansonsten sind wir allein mit Wäldern, verwurzelten Pfaden, Felsformationen und dem Himmel, der irgendwo hinter der 4000er-Girlande dort drüben in den Walliser Alpen endet.

Ein paar technische Passagen sind drin, manchmal geht’s auch steil bergauf und bergab. Da hüpft das Abenteurerherz. Alternative Routen und Ausweichmöglichkeiten sind fast überall möglich. Am Nachmittag fahren wir die Serpentinen-Straße runter nach Sierre. Die wilde Bergwelt verändert sich immer mehr hin zu einer südländischen Vegetation. Es riecht nach Rosmarin, Thymian und Pinien. Nach der letzten Serpentine erreichen wir die Weinberge: Sie leuchten in allen erdenklichen Grüntönen in der Sonne. Die letzten Kilometer rollen wir bequem nach Sierre, wo uns im Hotel de la Poste die gastfreundlichen Hausherren und Lademöglichkeiten für unsere Fahrrad-Akkus erwarten.

Raclette im Château de Villa

Was wäre das Wallis ohne Raclette-Käse? Wir dinieren im vermutlich besten aller Raclette-Lokale der Gegend: im Château de Villa. Wir kosten Raclette aus fünf der umliegenden Täler, darunter auch Käse aus dem Val d’Anniviers – ein Vorgeschmack auf unsere dortige Tour in den nächsten Tagen. Dazu gibt es traditionell Kartoffeln, Essiggurken und eingelegte Zwiebeln. Nach diesen fünf nicht besonders dünnen Scheiben Käse ist der Standardmagen am Ende seiner Kräfte. Wo denn der Rekord läge, frage ich den Kellner. Bei unglaublichen 42, antwortet dieser. Er selbst schaffte 14. Mir reichen die fünf Scheiben und Jesús gönnt sich noch eine sechste. Dann sind wir gewappnet für den nächsten Tag und die Tour durch die Weinberge von Sierre.

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Radeln in den Weinbergen von Sierre

27 km stehen auf dem E-Bike-Programm, das sich „Découverte culturelle“ nennt: kulturelle Entdeckung. Von Sierre aus geht es zunächst recht flach und unanstrengend Richtung Loc. Von dort erwarten uns 18 km Aufstieg durch die Dörfer Chermignon-d’en Bas, Lens und Icogne. Wir radeln in einem Bilderbuch und können uns nicht sattsehen an den traditionellen Häusern, Bauerngärten, Scheunen und Wiesen. Wir machen die komplette Runde und die E-Bikes unterstützen uns gewaltig dabei. Wem die Route zu lang ist, der kürzt ab und findet in den Wäldern Trails und einfachere Alternativen. Ausweichmöglichkeiten gibt es quasi an jeder Ecke. Denn das Wallis verfügt über 1600 km MTB-Wege verteilt auf rund 100 Strecken.

Es ist schwer, ein Highlight des Tages herauszupicken. Wenn ich mich entscheiden müsste, fiele meine Wahl auf die Weinverkostung am Ende der Etappe in Corin. Wir sind damit fast zurück in Sierre und machen den kleinen Abstecher hinüber in das Dorf, in dem sich die Weinkellerei Cave Le Tambourin befindet. Der Winzer Ismaël Bonvin hat den richtigen Namen: guter Wein. Wie passend. Der Name des Weinguts, das seine Eltern 1987 gegründet hatten, beruht auf der Geschichte des Weinbaus im Wallis. Wenn es Zeit für die Arbeit war, ertönten in den Straßen Pfeifen und Trommeln. Auch Ismaëls Vater war ein begeisterter Trommler, so entstand der Name des Guts. Unter der Leitung von Ismaël und seiner Frau Madeline wuchs das Anwesen und auch das Ansehen. Medaillen vom Grand Prix des Vins Suisses, dem Mondial du Pinot Noir oder der Sélection des Vins du Valais sprechen eine deutliche Sprache. Ich verliebe mich in den Weißwein Petite Arvine, der einfach perfekt zu dem warmen Sommerabend und dem Trockenfleisch aus Lens passt. Leben wie Gott im Wallis.

MTB-Tour im Val d’Anniviers

Am Morgen nehmen wir den Postbus ins Val d’Anniviers. Unbedingt vorher die Bike-Mitnahme reservieren! Schnell geht es aus dem Rhonetal hinein in die verrückt hohen Berge des schmalen Tals. Die Straße quetscht sich an die steile Felswand, rechts fällt der Berg geradewegs ins Tal. In nur 26 km verändert sich die Kulisse vollständig. Selbst das Wetter schlägt um, Wolken hängen zwischen den Gipfeln der 4000-Meter-Riesen. Auch wenn sie wollten, sie könnten nicht weiterziehen. Nach unserer Aknuft erkunden wir die nähere Umgebung direkt mit den Bikes. Wir können uns vorstellen, warum das Tal so beliebt ist bei Skifahrern. Und auch im Sommer gibt es hier unzählige Möglichkeiten für Wanderer zwischen 500 und 4500 m über Null. Wer nicht nur im Fahrradsattel sitzen möchte, findet am türkisfarbenen Moiry-Stausee Erholung, besucht die Kupfermine von Zinal, den Planetenweg, den Abenteuerwald von Vercorin, den Klettersteig von Moiry oder den Suonen-Rundweg „Circuit des 3 bisses“. Zu entdecken gibt es mehr als genug.

Wellness und Gourmet in Chandolin

Wir begnügen uns mit einer kurzen Route durch die Berge um Chandolin. Nachmittags wart nichts mehr von uns gesehen. Zu schön ist der Wellness-Bereich im Chandolin Boutique Hotel. Jacuzzi mit Mountain View – Herz, was willst Du mehr? Zwischen dunklen Wolken, die über die fast schon zahllosen 4000 m hohen Gipfel ziehen, kommt die Sonne ab und an zum Vorschein. Wo ihre Strahlen auf die Erde fallen, wirken die Farben der Natur fast schon unnatürlich satt. Stunden vergehen, und der einzige Wunsch ist, dass die Zeit doch stehen bleiben möge. Tiefenentspannt schweben wir schließlich zu später Stunde Richtung Hotel-Restaurant zum Fine Dining: Schweizer Büffelmozzarella mit Olivenchips und Tomatenvariation; Zanderfilet an Pak-Choi-Blättern; Gianduja-Erdnussbutter-Schokoladen-Fondant mit hausgemachtem Sorbet. Crazy! Wenn Du auch so lecker dinieren möchtest, hüpf kurz rüber zu Instagram, dort verlosen wir ein Abendessen für zwei im Chandolin Boutique Hotel.

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Per E-Bike durch die stille Bergwelt

Wir schlafen wie auf Wolken. Wir essen wie Könige. Und wir radeln in einer stillen Bergwelt, die uns dem hektischen Alltag komplett entreißt. Das Wetter spielt nicht wirklich mit. Und trotzdem cruisen wir am Genusslimit. Wie kann das sein? Jesús hat vor ein paar Wochen über die Formel des Genusses sinniert und kam zu folgendem Ergebnis: ∫((Wer+Wo)^Details) dt. Das bedeutet: Ausschlaggebend für einen gelungenen Urlaub sind die Personen, mit denen man ihn verbringt. Ebenso wichtig ist die Location. Das Wetter spielt bei dieser Formel keine nennenswerte Rolle. Und das „dt“ – da ist der Freak mit Jesús durchgegangen. Doch was ein Erlebnis tatsächlich unvergesslich macht, sind die Details. Die Momente, die kleinen Freuden. Lachen bei einem guten Glas Weißwein mit Blick auf den Sonnenuntergang. Oder eine Schaukel, die einfach so am Wegesrand vom Baum hängt und auf der wir durch die Bergkulisse schweben. Durchatmen. Freiheit tanken. Wahrhaftig das gute Leben genießen. In Wallis Veritas.

E-Bike-Tourentipps

Anspruch

Lieber Abenteuer oder Cruisen? Im Wallis findest Du 1600 km MTB-Wege, davon viele für E-Bikes. Crans-Montana bietet 4 spezielle E-Bike-Routen.

Reisezeit

Das milde Wetter im Rhonetal ermöglicht herrliche Radtouren von Mai bis Oktober. In höheren Lagen sind die Monate Juni bis September sicherer.

Kartenmaterial

Im Tourismusbüro, in den Swiss Bike Hotels und online bekommst Du Karten, die Dir eine gute Übersicht über mögliche E-Bike-Touren verschaffen.

Rumkommen

Mit öffentlichen Bussen (diese heißen in der Schweiz „Postauto“) kannst Du Dich super fortbewegen. Für die Fahrradmitnahme vorher reservieren!

Ladestationen

Die Ladestationen sind an strategischen Orten angebracht, teilweise in den Bergen. Hier findest Du eine Übersicht von Crans-Montana mit Karte.

Weinfeste

In Wallis Veritas! Genieße die traditionellen Walliser Weinfeste wie Offene Weinkeller, Salon des Vins et Terroir oder Le Temps du Cornalin.

Werbehinweis
Diese Medienreise wurde unterstützt von Crans-Montana Tourisme & Congrès, Sierre Tourisme und Tourismus Val d’Anniviers. Die Inhalte und meine persönliche Meinung, die ich in diesem Beitrag wiedergebe, wurden dadurch nicht beeinflusst.

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